Produkt & Marke
Hersteller in Europa statt Asien: Wann sich der höhere Einkaufspreis rechnet
Europäische Produktion kostet im Einkauf mehr und spart an anderer Stelle. Eine nüchterne Gegenüberstellung von Kapitalbindung, Lieferzeit und Risiko.
Die Standardantwort auf die Frage nach dem Hersteller lautet Asien. Günstiger Stückpreis, etablierte Plattformen, große Auswahl. Für hohe Stückzahlen in Preiskampf-Kategorien ist das auch die richtige Antwort.
Bei einem ersten Produkt mit begrenztem Budget rechnet sich die Sache oft anders, als die Stückpreis-Tabelle vermuten lässt.
Was der günstige Einkaufspreis nicht zeigt
Bei einer Bestellung in Asien bindest du Kapital über einen langen Zeitraum:
- Anzahlung bei Auftrag, der Rest meist vor Verschiffung
- Produktion und Transport zusammen häufig acht bis zwölf Wochen
- Mindestabnahmemengen deutlich über dem, was du zum Testen bräuchtest
- Qualitätsprüfung aus der Distanz, im Zweifel über einen bezahlten Dienstleister vor Ort
Rechne einmal durch, wie lange dein Geld zwischen Überweisung und erstem Verkauf gebunden ist. Bei Erstbestellungen sind das oft drei bis vier Monate.
Was europäische Hersteller anders machen
Die Unterschiede liegen selten beim Stückpreis, sondern bei allem drumherum:
- Kleinere Mindestmengen, mit denen sich ein Produkt überhaupt erst testen lässt
- Nachbestellung in Wochen statt Monaten, was dein Lagerrisiko senkt
- Besuch vor Ort ist eine Zugfahrt, keine Reise
- Vertragsrecht und Gewährleistung im selben Rechtsraum
- Herkunft als Verkaufsargument im Listing, besonders bei Produkten mit Haut-, Lebensmittel- oder Kinderkontakt
Die Rechnung, die stimmen muss
Ein höherer Einkaufspreis ist nur dann vertretbar, wenn er an anderer Stelle Geld zurückholt. Stell beide Varianten mit denselben Posten gegenüber:
- Einkaufspreis pro Stück mal Mindestmenge
- Transport, Zoll und Einfuhrumsatzsteuer
- Wochen bis zur Verfügbarkeit im Lager
- Kapital, das in dieser Zeit gebunden ist
- Kosten einer Fehlbestellung, falls das Produkt nicht läuft
Der letzte Punkt wird am häufigsten übersehen. Eine Fehlentscheidung bei 2.000 Stück aus Asien kostet dich mehr als dieselbe Fehlentscheidung bei 300 Stück aus Portugal.
Wann sich Europa lohnt und wann nicht
Dafür spricht ein erstes Produkt, ein begrenztes Budget, eine Kategorie mit Qualitätsanspruch oder ein Produkt, bei dem du schnell nachlegen können musst.
Dagegen spricht eine reine Preiskampf-Kategorie, in der die Marge über die Menge kommt, oder ein Produkt, das in Europa schlicht nicht gefertigt wird.
Wie du europäische Hersteller findest
Die wenigsten sitzen auf Verkaufsplattformen. Du findest sie über Branchenverzeichnisse der jeweiligen Länder, über Fachmessen und über Lohnfertiger, die bereits für andere Marken produzieren.
Rechne damit, dass die erste Anfrage länger unbeantwortet bleibt als bei einem Plattform-Anbieter. Viele dieser Betriebe leben von wenigen festen Kunden und haben keinen Vertrieb, der auf Anfragen wartet. Ein Anruf bringt dich hier weiter als eine Mail.
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